Joseph Gordon-Levitt und Zooey Deschanel sind in der 2009 erschienenen romantischen Komödie (500) Days of Summer von Marc Webb auf der großen Leinwand wie auf dem Bildschirm wie geschaffen füreinander. Doch diese Liebesgeschichte beginnt mit der Trennung der zwei Protagonisten. Statt einen klassischen Feel-good Film zu suchen, wird man fündig, wenn man eine Vorliebe für einen ikonischen Indie-Soundtrack hat und einen gedanklichen Ausflug in die City of Angels, Los Angeles, unternehmen möchte. Es sei also schon mal vorweggenommen, dass Ernüchterung die Grundstimmung bestimmt; ein komplettes Kontrastprogramm also von Popkultur angereicherten Erwartungen, quasi ein Pendant zu La La Land. Das wird in der zweiten Filmhälfte in einem Reality/Expectation-Splitscreen nochmal eindrucksvoll dargestellt – eine vieler erzählerischer Techniken, die angewendet werden, die für den stilistischen Cineasten interessant werden.
Von Grußkarten-Vorlagen und IKEA-Lebensmodellen
Meet Tom, ein Grußkarten-Texter, der auch noch dazu tendiert, an seine eigenen Sprüche zu glauben. Als er auf die neue Chef-Assistentin Summer trifft, ist es um ihn geschehen. Als Zeichen des Universums deutet er, als er im Fahrstuhl erfährt, dass sie auf die gleiche melancholische britische Band steht. Am Höhepunkt der Gefühle spielen Tom und Summer in IKEA-Showrooms an einem Date nach, wie ihr bürgerliches verheiratetes Leben verlaufen könnte. Sie sind bereits in ein Bett gefallen, wie nach einem langen Arbeitstag und selbst gekochten Abendessen, als ihm Summer unmissverständlich mitteilt, was sie eigentlich sucht: nichts Ernstes. Und doch lässt Tom sich ein. Der Grund? Natürlich weil er davon überzeugt ist, sie doch noch umstimmen zu können.
Neuanfang in die Vergangenheit
Angefangen schon bei Tag 488, weit nach dem Ende der Beziehung, durchwühlt Tom geistig nochmal alle Tage, die ihm Anzeichen für diesen unverhofften Verlauf gegeben haben könnten. Dabei wird den Zuschauenden zugetraut, sich aus dem heillosen Durcheinander der nummerierten Tage ihre eigene Geschichte zusammenzupuzzeln. Der Zerfall einer Beziehung wird dabei ganz antiklimatisch dargestellt. Es wird offensiv mit romantischen Vorstellungen gespielt, ohne zynisch zu werden. Somit spricht dieser erwachsene Coming-of-Age Film mehrere Altersklassen und Publikumsgruppen an; man kann ihn mit rosaroter Brille aber auch post-Break-Up sehen. Zum Ende hin kommt Tom aus seinem Loch heraus, indem er seine längst begraben zu scheinenden Ambitionen als Architekt anpackt, anstatt sie nur zu romantisieren. Überhaupt scheint die Romantisierung bei Tom ein issue zu werden. Keine Frage, der Handlungsstrang wird aus seiner Perspektive gesponnen; wie Summer die Beziehung erlebt wird nicht hinterfragt und wie sie ihren Ehemann am Ende kennen lernt wird als glücklicher Zufall bloß nebenbei erwähnt. Ohne dabei irgendwas zu spoilern, bleibt einem jedoch geschlechterübergreifend eine doch noch optimistische Erkenntnis. Und zwar, dass wenn man nach einer gefühlt gescheiterten Lebensphase zunächst an sich selbst arbeitet, ganz andere Türen sich öffnen.

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