Die neueste Staffel der mittlerweile an Kult-Status gewonnenen Fernsehserie Ku’Damm 77 spielt sich in den späten 70ern ab, also über ein Jahrzehnt nach der letzten Erscheinung der historischen Serie, die von der Tanzschule auf dem Kurfürstendamm handelt. Die erste Episode öffnet mit der dem Zeitalter entsprechenden Vintage-Ästhetik und Kameraführung einer Dokumentar-Filmemacherin. Außergewöhnlich für die damalige Zeit, auch wenn die meiste Zeit hinter der Kamera, nimmt nun eine Afro-Deutsche im öffentlichen Raum eine prominente Rolle ein.
Das Schlussbild der letzten Episode, das kann gespoilert werden, ist das der verbliebenen Witwe von Onkel Heiner und Erbin aus Thailand, die ein optimistisches Bild vom Hof in der Heimat von Caterina Schöllack malt. Ihre Anwesenheit und ihr Status als Erbin löst großes Empören aus, die Szene kippt um in Komik. In der letzten Szene des abgedrehten Dokumentarfilmes verspricht sie blühende Landschaften, die im folgenden Jahr gedeihen werden.
Monika Schöllacks einziger Lebensinhalt ist ihre Tochter Dorli, so meint zumindest ihre Schwester Helga, die selbst mit den Ansprüchen an ihre eigene Tochter Friederike, „Ricky“, zu kämpfen hat. Doch dann tritt ein charmanter libanesischer Musikant in Monikas Leben ein, wieder ein person of color, also ein nicht-Weißer Mensch. Und auch hier findet die erste Begegnung im öffentlichen Leben statt, auf der Straße inmitten vom Stadttrubel. Er erspielt sich seine Zugehörigkeit nicht mit einer Kamera, aber mit einem Musikinstrument, seiner Oud. Zuerst klingt er fremde Melodien an, die neugierige Ohren anziehen, dann wechselt er zum altbekannten Refrain der Berlin-Hymne Berliner Luft.
Was haben diese drei Charaktere gemeinsam, neben ihrer Einwanderungsgeschichte? Ihre bloße Anwesenheit stimmt unaufgeregt Thematiken an, die bedauerlicherweise noch immer in der allgemein bekannten Geschichte der Republik viel zu wenig Sichtbarkeit erfahren. Nun könnte man die Behauptungen anstellen, die Geschichte hinter der Identität von Linda Müller, der Filmemacherin, sei schmerzhaft konstruiert; die Backstory hinter Sharif Feen als Geflüchteten verpasse die Gelegenheit, die Geschichte der Gastarbeit mehr auszuerzählen; die Kontextualisierung der Thailänderin, nur „Frau Schöllack“ genannt, entspreche bis auf die Schlussszene genau dem Klischee der „Frau aus dem Katalog“.
Doch es lassen sich auch Gemeinsamkeiten erkennen zwischen den dazu Gekommenen und den vor Ort Ansässigen. Alle drei sehnen sich nach verlorener oder unbekannter Familie und sind berührt, wenn sie überhaupt nach ihren Träumen gefragt werden. Ihre Stimmen rücken die gesamte Staffel in ein Licht, das der heutigen Realität gerechter wird, in der Vielfalt und Representation auch von den Medien der Mehrheitsgesellschaft nun nicht mehr weg zu denken sind.

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